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Thomas Jahnke, Wolfram Meyerhöfer (Hrsg.) PISA & Co Kritik eines Programms 2008 479 Seiten, DIN A5, broschiert 2. erweiterte Auflage Mit dem „Program for International Students Assessment” (PISA) ist in der deutschen Bildungslandschaft ein Prozess eingeleitet, der auf Standardisierung und Operationalisierung von Bildung gerichtet ist, und damit auf intellektuelle Verarmung und Formalisierung, auf geistige Enge und Orientierung am Mittelmaß. Die wissenschaftliche Dignität und Legitimation von PISA und anderen Bildungsvermessungsprogrammen scheint sich dabei an deren medialen Erfolg oder bildungspolitischen Folgenreichtum zu messen. Die Akteure sollten eher argwöhnisch werden ob der Tatsache, dass ihre Unternehmungen den Zeitgeist derart treffen wie befördern. Solcher Argwohn ist rar. Wer die Verhältnisse zum Tanzen bringt, kann daraus kaum ableiten, dass seine Intervention gelungen und nicht nur nützliches Instrument zu deren Steuerung geworden ist. Die Gier, mit der die internationale und insbesondere die deutsche Bildungspolitik die Ergebnisse von PISA nahezu unbesehen aufsaugt und in administratives Regeln und Handeln ummünzt, sollte die Forscherinnen und Forscher – falls sie sich noch als solche und nicht als Agentinnen und Agenten einer standardisierten OECD-Bildung verstehen –, weniger beflügeln als sich verstört die Frage stellen lassen, wer da mit wem und zu welchem Behufe tanzt. Dass die instrumentelle Un-Vernunft ihre Feste feiert, wird die Schule langfristig überstehen, aber es ist ein Verlust von Zeit und Ressourcen, die für die ernsthafte Arbeit an einer wirksamen Verbesserung von Lehr- und Lernprozessen fehlen.
In diesem Buch werden wissenschaftliche Grundlagen, Implikationen und Deutungen von PISA & Co diskutiert und kritisiert. Wir haben dabei Wert darauf gelegt, dass eine gewisse Breite und Unterschiedlichkeit der kritischen Positionen vertreten ist und dass die Kritik in der Verschiedenheit ihrer Argumentationsmuster nicht durch Versuche von Zusammenführung oder gar Orientierung auf produktive Wendung geglättet wird. Während die Pisaner ihr Mammutunternehmen als monolithisch verkaufen müssen, ist es ein Vorteil der Kritik, dass sie an ganz unterschiedlichen Stellen und mit unterschiedlichen Methoden und Ansätzen Unternehmen wie PISA befragen kann. Wir haben die Beiträge in drei Ebenen sortiert. Die Ebene „PISA & Co global“ ordnet das Testen historisch und wissenschaftstheoretisch ein. Die Deutung von quantitativen Vergleichsuntersuchungen in ihrer historischen Situiertheit und in ihrem Charakter als positivistisches und als kulturindustrielles Phänomen ergründet, wie es zur intellektuellen Armut dieser Art von Untersuchungen kommt, wie sie im Feld des Wissenschaftlichen und im Feld des Bildungspolitischen positioniert sind und welche Grundannahmen und Ideologien hier reproduziert werden. Die Ebene „PISA & Co konkret“ versammelt Beiträge, in denen sich die Autorinnen und Autoren auf die Konstrukte solcher Untersuchungen einlassen. Sie argumentieren an den theoretischen Konstrukten und den Testkonstrukten, an den Operationalisierungen und an den die Operationalisierungen ersetzenden Verfahren, an den Aufgaben und an den Deutungen der Testergebnisse. Auf der Ebene „Wirkungen“ sind Texte versammelt, die PISA & Co vorrangig mit Blick auf ihre Wirkungen auf Schulsysteme und Schulen und in ihren gesellschaftlichen Implikationen diskutieren. Dieses Buch wendet sich • an die von PISA & Co Betroffenen, also an Lehrerinnen und Lehrer und Schülerinnen und Schüler sie sollen Anhaltspunkte dafür bekommen, warum sie sich (für einen derzeit nicht absehbaren Zeitraum) in welcher Un-Wetterlage befinden • an die Schuladministration, die einer besonderen Versuchung unterliegt, die Ergebnisse von Vergleichsuntersuchungen über das inhaltliche Arbeiten am Unterricht zu stellen hier möchten wir eine stärkere Sensibilität für die Grenzen, die Implikationen und die Folgen der Nutzung standardisierter Instrumente erreichen • an Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker, die zur Zeit geneigt sein könnten, anzunehmen, dass der Mathematikunterricht in messtechnisch abgesichertem Verfahren sich nun verbessern ließe, als handele es sich mehr oder minder um eine ordnungspolitische Maßnahme, die mit ausreichend strikten Vorgaben in wenigen Jahren durchsetzbar sei • an die an PISA & Co beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, denen in ihrem eifrigen Streben eine Reflektionspause über ihr Denken und Handeln sicher nicht ungelegen kommt und die kollegialer Widerspruch nur entlasten kann und aus einer Handlungsspirale befreien mag • an die an PISA & Co nicht-beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren gesellschaftliche Verantwortung für die Folgen solcher Untersuchungen nicht geringer ist.
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